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Vorzeitiger Samenerguss: Wie Sie länger im Bett durchhalten
Katharina Weis
Dr. Kareem Mahmoud
10 April 2026


Von einem vorzeitigen Samenerguss ist die Rede, wenn ein Mann sehr früh zum Höhepunkt kommt. Etwa 4% der Männer sind davon betroffen.[1]
Aber was genau bedeutet „zu früh“? Die durchschnittliche Zeit bis zum Höhepunkt liegt bei 5 bis 7 Minuten. Die individuellen Werte können jedoch eine große Spanne haben: von weniger als einer Minute bis zu mehr als einer halben Stunde ist alles möglich.[2]
Bei einem vorzeitigen Samenerguss kommt die betroffene Person fast immer sehr früh zum Höhepunkt, nämlich entweder kurz vor dem Einführen des Penis oder unmittelbar danach. In der Medizin wird die Diagnose „Ejaculatio praecox“ (vorzeitiger Samenerguss) dann gestellt, wenn die vorzeitigen Höhepunkte über einen längeren Zeitraum regelmäßig bestehen und zur Belastung werden.[1]
Aktuell können nur Vermutungen darüber angestellt werden, warum es bei einigen Männern häufig zu vorzeitigen Samenergüssen kommt. Möglich sind[1]:
Es ist auch ein Zusammenspiel biologischer und psychischer Faktoren möglich. Vorzeitige Samenergüsse können direkt zu Beginn des Sexuallebens oder erst im weiteren Lebensverlauf auftreten. In letzterem Fall spricht man von „erworbenen“ vorzeitigen Samenergüssen.[2]
Wenn Sie den Verdacht haben, von vorzeitigen Samenergüssen betroffen zu sein, ist Ihre Hausarztpraxis Ihre erste Anlaufstelle.
Bevor wir uns einigen Techniken widmen, die Ihnen dabei helfen können, den Höhepunkt zu verzögern, wollen wir uns zunächst einmal die Erregungskurve des Mannes ansehen.
Die Erregungskurve lässt sich in 4 Phasen einteilen: Erregung, Plateau (maximale Erregung), Orgasmus und Refraktärphase, in der die Lust dann allmählich wieder abklingt.[3]
Anders als bei Frauen gibt es bei Männern kurz vor dem Höhepunkt einen Punkt der „ejakulatorischen Unvermeidbarkeit“: Das bedeutet, der Samenerguss lässt sich nicht mehr aufhalten.[4] Dieser Zeitpunkt wird umgangssprachlich auch als „Point of no return“ bezeichnet – und ihn zu erkennen bzw. zu erspüren, kann Ihnen dabei helfen, den Höhepunkt hinauszuzögern.
Selbsthilfetechniken
Der „Point of no return“ kommt bei einigen Selbsthilfetechniken zum Einsatz[5]:
Diese Techniken können dabei helfen, die Zeit bis zum Höhepunkt um ein paar Minuten zu verlängern.[6][7] Allerdings erfordern sie etwas Übung – lassen Sie sich deshalb nicht entmutigen, wenn sie nicht gleich beim ersten Mal funktionieren. Es braucht etwas Zeit, um den „Point of no return“ sicher zu erkennen.
Stellungen
Auch verschiedene Stellungen während des Geschlechtsverkehrs können Einfluss auf die sexuelle Leistungsfähigkeit haben. In einer Studie aus dem Jahr 2025 wurde herausgefunden, dass bestimmte Positionen dabei helfen können, den Samenerguss besser zu kontrollieren. So kann beispielsweise eine Position mit flacherer Penetration, bei der die Stimulation weniger stark ausfällt, kurz vor dem Höhepunkt dabei helfen, den Samenerguss hinauszuzögern.[8]
Kondome
Kondome – insbesondere extra starke Varianten mit einer Wandstärke von mindestens 0,1 mm – können ebenfalls dabei helfen, den Samenerguss hinauszuzögern. Eine Studie aus dem Jahr 2022 zeigte, dass verdickte Kondome mit dreifacher Wandstärke die Ejakulationszeit bei Männern mit vorzeitigem Samenerguss deutlich verlängern können. Während mit normalen Kondomen nur 16% der Teilnehmenden mehr als 3 Minuten bis zum Höhepunkt brauchen, waren es mit verdickten Kondomen 78%.[9]
Allerdings gibt es einen entscheidenden Nachteil: Extra starke Kondome wurden im Vergleich zu normalen Kondomen von den Teilnehmenden als deutlich unangenehmer eingestuft. Gleitgel kann den Tragekomfort deutlich verbessern.[9]
Alternativ gibt es auch desensibilisierende Kondome mit betäubenden Wirkstoffen wie Benzocain oder Lidocain.
Beckenbodentraining
Der Beckenboden besteht aus zahlreichen Muskeln und Bindegewebe und hat gleich mehrere Aufgaben. So hält er beispielsweise alle wichtigen Bauch- und Beckenorgane an Ort und Stelle, gleicht Druck durch Husten, Lachen, Stuhlgang oder körperliche Aktivität aus und ist wichtig für die Kontrolle der Blasen- und Darmaktivität.
Regelmäßiges Beckenbodentraining kann auch dabei helfen, wieder mehr Kontrolle über den Samenerguss zu haben.[11]
Für Ungeübte kann es schwer sein, den Beckenboden willentlich anzusteuern – aber man kann es lernen. Sie können Ihren Beckenboden erspüren, indem Sie sich vorstellen, dass Sie auf der Toilette sitzen und den Urinstrahl unterbrechen wollen. Die Muskeln, die dabei aktiviert werden, gehören zu Ihrem Beckenboden. Aber Achtung: Diese Übung dient nur dazu, ein Gefühl für den Beckenboden zu entwickeln. Sie sollte nicht regelmäßig wiederholt werden.
Gezielte Übungen zur An- und Entspannung der Beckenbodenmuskulatur (sogenannte Kegelübungen) können entweder selbstständig durchgeführt oder unter physiotherapeutischer Anleitung mit zusätzlichen Methoden kombiniert werden.
Stressmanagement
Stress kann sich auf Ihre sexuelle Leistungsfähigkeit auswirken.[12] Vor allem bei erworbenen vorzeitigen Samenergüssen kann es sich deshalb lohnen, Stressfaktoren zu reduzieren oder entgegenzuwirken.
Stressmanagement ist eine sehr individuelle Sache – welche Techniken bei Ihnen gut wirken, lässt sich nur durch Ausprobieren herausfinden. Einige einfache Techniken sind zum Beispiel:
Vorzeitige Samenergüsse können eine Belastung sein – nicht nur für den Geschlechtsverkehr, sondern auch für die Intimität oder die Partnerschaft. Sollten Sie regelmäßig verfrüht zum Höhepunkt kommen und dies Ihren Alltag oder Ihre Beziehung beeinträchtigen, wenden Sie sich an Ihre Hausarztpraxis. Dort erfahren Sie, welche Therapiemöglichkeiten für Sie geeignet sind.
Sexualtherapie
Eine Sexualtherapie konzentriert sich vor allem auf mögliche psychische Ursachen, zum Beispiel Versagensängste, Selbstzweifel oder Beziehungskonflikte. Vor allem, wenn vorzeitige Samenergüsse erst im Laufe des Lebens auftreten, können psychische Ursachen wahrscheinlich sein.[13]
In einer Sexualtherapie können viele verschiedene Themen besprochen werden. Möglich sind unter anderem[13]:
Wie wirkungsvoll Sexualtherapien sind, lässt sich aktuell nicht genau beurteilen. Der Erfolg hängt jedoch auch davon ab, welche Erwartungen man an eine Therapie setzt, und es sind auch ganz unerwartete Entwicklungen und Erkenntnisse möglich.[13]
Medikamentöse Therapie
Für sogenannte primäre vorzeitige Samenergüsse (also solche, die direkt zu Beginn des Sexuallebens einsetzen) ist das Medikament Fortacin mit den Wirkstoffen Lidocain und Prilocain in der EU zugelassen. Dabei handelt es sich um ein rezeptfreies Spray, das vor dem Geschlechtsverkehr auf den Penis gesprüht wird. Die Wirkstoffe betäuben die Kontaktfläche, indem sie die Signalübertragung in den Nerven blockieren. Dadurch wird der Penis weniger empfindlich und der Höhepunkt kann hinausgezögert werden.[14]
Es kommt nicht selten vor, dass Männer mit vorzeitigem Samenerguss auch erektile Dysfunktion entwickeln. In diesem Fall kann die Behandlung der Erektionsprobleme mit Potenzmitteln wie Viagra (Sildenafil) oder Cialis (Tadalafil) Betroffenen mehr Kontrolle während des Geschlechtsverkehrs ermöglichen.[15] Zur gezielten Behandlung von vorzeitigen Samenergüssen sind sie jedoch nicht zugelassen.
Warum ist das so? Bei sexueller Erregung setzt der Körper einen Botenstoff frei, das sogenannte cyclische Guanosinmonophosphat (kurz cGMP). Dieser Botenstoff sorgt dafür, dass sich die Blutgefäße im Penis erweitern und mehr Blut in den Schwellkörper gelangt. Die Wirkstoffe Sildenafil (Viagra) und Tadalafil (Cialis) sorgen dafür, dass der Botenstoff cGMP nicht vorzeitig abgebaut wird. Dadurch entspannt sich die glatte Muskulatur in den umliegenden Organen, zum Beispiel Samenleiter, Samenbläschen, Prostata und Harnröhre, wodurch der Samenerguss verzögert werden kann.[16]
Langfristig wird durch die Einnahme von Potenzmitteln wie Viagra oder Cialis nicht nur die Ejakulationskontrolle verbessert, sondern auch die Erektionsqualität gesteigert.[15]
Vorzeitige Samenergüsse sind nicht selten mit Scham verbunden. Dadurch entsteht vor allem bei psychisch bedingten vorzeitigen Samenergüssen ein Teufelskreis: Wenn Betroffene aus Scham nicht über die körperliche und mentale Belastung sprechen können, steigt der Stresspegel weiter an. Die daraus entstehenden Versagensängste und Stressgefühle können vorzeitige Samenergüsse weiter begünstigen.
Ehrliche und vertrauensvolle Gespräche können ein erster Schritt auf dem Weg zur Behandlung sein. Die Partnerin oder den Partner mit ins Boot zu holen, kann nicht nur Druck nehmen, sondern auch dabei helfen, gemeinsam an Lösungen zu arbeiten.
Wichtig ist: Vorzeitiger Samenerguss ist behandelbar und professionelle Hilfe zu suchen ist ein Zeichen von Stärke, nicht von Schwäche.
Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder in Ihrer Apotheke. Diese Informationen ersetzen nicht die professionelle Beratung durch einen Arzt oder eine Ärztin. Individuelle Ergebnisse können variieren. Die Behandlungen unterliegen der Genehmigung durch eine zertifizierte Ärztin oder einen zertifizierten Arzt, der/die die individuelle Eignung beurteilt.
Nächste geplante Überprüfung: 10 April 2029

Katharina Weis
Dr. Kareem Mahmoud
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