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Abnehmspritzen und Muskelabbau im Überblick
MedExpress Redaktion
Dr. Kareem Mahmoud
24 Juli 2026


Die Wirkung von GLP-1-basierten beziehungsweise GIP/GLP-1-basierten Arzneimitteln wie Wegovy und Mounjaro ist wissenschaftlich nachgewiesen.[1][2] Studien zeigen, dass die Anwendung dieser Medikamente den Gewichtsverlust unterstützen kann. Doch nicht jedes verlorene Kilo besteht aus Fett. Der Körper baut auch fettfreie Körpermasse (lean body mass) ab, zu der unsere Skelettmuskeln gehören.
Das bedeutet aber weder, dass diese in den Medien als Abnehmspritzen bekannten Medikamente und Muskelabbau zwangsläufig zusammengehören, noch dass bei der Anwendung von GLP-1-Medikamenten der Muskelschwund überproportional hoch sein muss. Wir schauen uns die bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnisse genauer an und erläutern, wie dem Muskelabbau bei Abnehmpritzen mit entsprechender Ernährung und Krafttraining entgegengewirkt werden kann.
Ob Gewichtsabnahme durch die klassische Diät oder eine Abnehmspritze mit den Wirkstoffen Semaglutid (Wegovy) oder Tirzepatid (Mounjaro) – der Körper verliert in beiden Fällen in der Regel nicht ausschließlich Fett. Ein Teil des verlorenen Gewichts entfällt auf die fettfreie Masse, zu der Muskeln, aber auch Wasser, Knochen, Organe und andere Gewebe gehören.
Wichtig zum Verständnis: Die Abnehmspritze baut den Muskel nicht direkt ab, sondern trägt zu einem Kaloriendefizit bei: Da Medikamente wie Wegovy oder Mounjaro den Appetit verringern und für ein schnelleres Sättigungsgefühl sorgen, essen viele Menschen dadurch weniger als zuvor. Wenn der Körper über längere Zeit zu wenig Energie erhält, beginnt er neben den Fettreserven auch Muskelprotein abzubauen. Ein Effekt, der grundsätzlich bei jeder Form der Gewichtsabnahme möglich ist. Dieser Muskelabbau wird noch verstärkt, wenn zu wenig Eiweiß konsumiert wird oder körperliches Training fehlt, das Muskeln erhalten und aufbauen kann.
Wissenschaftliche Daten zu GLP-1-Rezeptoragonisten wie Semaglutid zeigen, dass bis zu 40 Prozent des Gewichtsverlusts auf fettfreie Masse entfallen können. Das bedeutet allerdings nicht, dass die gesamte verlorene fettfreie Masse Muskelgewebe ist:
Laut Studien, die auf einem speziellen Röntgenverfahren zur Messung der Körperzusammensetzung (DXA) basieren, entfallen bei der Einnahme von GLP-1-Rezeptoragonisten etwa 25% bis 40% des Gewichtsverlusts auf fettfreie Masse. Dies hängt von der Medikamentendosis und anderen Faktoren ab.[1][3][4] Da DXA jedoch nicht zwischen Muskelgewebe, Organen, Bindegewebe und Körperwasser unterscheiden kann, lässt sich daraus nicht zwingend ableiten, dass dieser bis zu 40-prozentige Gewichtsverlust auf Muskelmasse entfällt.
In den Medien kann allerdings manchmal dieser Eindruck entstehen, da die Begriffe „fettfreie Masse“ und „Muskelmasse“ fälschlicherweise häufig gleichgesetzt werden. Untersuchungen mit bildgebenden Verfahren wie der Magnetresonanztomographie (MRT) sowie Untersuchungen der Muskelkraft legen nahe, dass der tatsächliche Verlust an Muskelmasse geringer ist, als die DXA-Messungen der fettfreien Masse vermuten lassen.[6][7]
Zusammengefasst lässt sich sagen: Genau wie bei Diäten, die auf reiner Kalorienreduktion basieren, kann es beim Gewichtsverlust mit Abnehmspritzen zu Muskelschwund kommen. Die Medikamente verursachen dabei aber keinen direkten Muskelabbau. Entscheidend ist vielmehr, wie die Behandlung begleitet wird.
Bei der Abnahme mit GLP-1-Medikamenten müssen zwei Aspekte besonders beachtet werden: Der Gewichtsverlust und damit der Muskelschwund kann im Vergleich zu klassischen Diäten sehr schnell sein. Dazu kommt, dass Menschen, die eine Behandlung mit Abnehmspritzen machen, sich eher zu dem Denken verleiten lassen können, dass die Medikation allein die Arbeit leistet.
Eine passende Ernährung und individuell angepasste körperliche Aktivität sind allerdings wichtige Bestandteile der Therapie. Nur dann kann Gewicht langfristig abgebaut werden. Ziel ist es, ein besseres Verhältnis zwischen Fett und Muskeln für einen gesünderen Körper zu erreichen. Regelmäßiges Krafttraining und eine ausreichende Eiweißzufuhr sind dabei für den Erhalt der Muskelmasse besonders relevant.
Eiweiß aufnehmen
Eiweiß liefert die Bausteine für den Erhalt und Aufbau der Muskulatur. Tipp: Obwohl viele Lebensmittel diesen Nährstoff enthalten, sollten Sie verstärkt auf fettarme Proteinquellen setzen. Wenn jede Mahlzeit mit einer Portion Protein ergänzt wird, hilft dies dabei, Ihre Muskelmasse während der Gewichtsabnahme zu schützen.
Gute Proteinquellen sind beispielsweise Magerquark, Skyr, Eier, Fisch, Geflügel, Hülsenfrüchte oder Tofu.
Krafttraining statt nur Ausdauersport
Ausdauertraining tut der Herz-Kreislauf-Gesundheit gut und verbrennt Kalorienverbrauch. Für den Muskelerhalt bei einer Wegovy- oder Mounjaro-Behandlung ist jedoch vor allem regelmäßiges Krafttraining entscheidend. Bereits zwei bis drei Trainingseinheiten pro Woche mit einem Fokus auf den großen Muskelgruppen können helfen, Muskelmasse während der Gewichtsabnahme weitgehend zu erhalten.
Genügend Kalorien zuführen
Ein extrem großes Kaloriendefizit erhöht das Risiko für Muskelabbau. Ziel sollte daher nachhaltiges Abnehmen statt ein möglichst schneller Gewichtsverlust sein. Bei einer langsameren Gewichtsabnahme sinkt zudem das Risiko für den Jo-Jo-Effekt.
Mit zunehmendem Alter verlieren wir natürlicherweise an Muskelmasse. Ab dem 50. Lebensjahr nimmt die Muskelmasse jährlich um etwa 1% bis 2% ab.[8] In den darauffolgenden Jahrzehnten beschleunigt sich dieser Prozess noch. Deshalb sollten ältere Menschen während einer Behandlung mit einer Abnehmspritze besonders auf Krafttraining und eine ausreichende Proteinzufuhr achten.
Auch wer bereits vor der Therapie wenig Muskulatur besitzt oder längere Zeit körperlich inaktiv war, hat ein höheres Risiko, weitere Muskelmasse zu verlieren. Ohne Training erhält der Körper keine Signale, Muskeln zu erhalten. Daher ist ein begleitendes Sportprogramm bei Abnehmspritzen so wichtig.
Abnehmspritzen und Verlust an Muskelmasse müssen nicht zwangsläufig zusammengehören. Zwar geht bei jeder Gewichtsabnahme ein Teil der fettfreien Masse – und damit auch Muskulatur – verloren, doch dieser Verlust kann durch ausreichend Eiweiß und regelmäßiges Krafttraining deutlich begrenzt werden. Wer seine Behandlung mit Bewegung und einer ausgewogenen Ernährung kombiniert und sich ärztlich begleiten lässt, verbessert nicht nur den Fettverlust, sondern kann seinen Körper langfristig besser aufstellen.
Ihre erste AnlaufstelleSprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin, um zu klären, ob diese Behandlung für Sie geeignet ist. Alternativ berät Sie das MedExpress-Team gern zu Ihren Optionen.
Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder in Ihrer Apotheke. Diese Informationen ersetzen nicht die professionelle Beratung durch einen Arzt oder eine Ärztin. Individuelle Ergebnisse können variieren. Über die Verschreibung einer Behandlung entscheiden qualifizierte Ärztinnen und Ärzte nach einer individuellen medizinischen Beurteilung.
Nächste geplante Überprüfung: 24 Juli 2029





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Dr. Kareem Mahmoud
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