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Abnehmspritzen und Jojo-Effekt: Kann ich den Gewichtsverlust langfristig halten?
Abnehmspritzen und Jojo-Effekt: Kann ich den Gewichtsverlust langfristig halten?
Evelyn Barrett
Dr. Kareem Mahmoud
23 Februar 2026


Abnehmspritzen und Jojo-Effekt: Kann ich den Gewichtsverlust langfristig halten?
Warum kommt es überhaupt zum Jojo-Effekt?
Sie haben mehr Kontrolle als Sie denken
Praktische Strategien gegen den Jojo-Effekt
Was können Mounjaro und Wegovy wirklich leisten?
Ihr persönlicher Plan
Fazit: Adipositas braucht eine langfristige Strategie
Abnehmspritzen und Jojo-Effekt: Kann ich den Gewichtsverlust langfristig halten?
Vielleicht haben Sie es in den Medien gelesen: Wer Medikamente wie Wegovy oder Mounjaro absetzt, nimmt oft schnell wieder zu. Aktuelle Forschungen zeigen, dass nach dem Absetzen dieser Medikamente die Gewichtszunahme tatsächlich schneller erfolgen kann als nach klassischen Diät- und Bewegungsprogrammen.[1] Bei GLP-1-Rezeptoragonisten (also bei Medikamenten wie Mounjaro, Wegovy oder Ozempic) kann der Rückfalleffekt stark ausfallen: In einer Studie kam etwa die Hälfte des zuvor verlorenen Gewichts innerhalb eines Jahres zurück.[2]
Diese Erkenntnisse bedeuten aber nicht, dass Abnehmspritzen wirkungslos oder sinnlos sind. Sie zeigen vielmehr, dass wir Adipositas als das verstehen müssen, was sie ist: eine chronische Erkrankung, die eine langfristige Strategie erfordert.[3] Die gute Nachricht: Mit dem richtigen Konzept, sei es eine dauerhafte Therapie oder einem gut geplanten Ausstieg mit professioneller Begleitung, lässt sich eine erfolgreiche Therapie sichern.
Warum kommt es überhaupt zum Jojo-Effekt?
Stellen Sie sich vor, Sie fahren mit dem Auto bergauf. Solange Sie Gas geben, kommen Sie voran. Aber sobald Sie den Fuß vom Pedal nehmen, rollt das Auto zurück, es sei denn, Sie haben vorher die Handbremse angezogen.
Ähnlich verhält es sich mit Abnehmspritzen wie Mounjaro und Wegovy. Diese Medikamente verändern das Hungergefühl, verlangsamen die Magenentleerung und helfen dem Körper, besser auf Insulin zu reagieren.[4][5] Das kann das Abnehmen deutlich erleichtern. Wenn Sie die Behandlung beenden, fallen diese unterstützenden Effekte jedoch weg. Ihr Appetit kehrt zurück und ohne Gegenmaßnahmen steigt das Gewicht oft wieder an.
Das bedeutet aber nicht, dass die Behandlung umsonst war. Es bedeutet nur, dass wir strategisch vorgehen müssen.
Sie haben mehr Kontrolle als Sie denken
Hier kommt der entscheidende Punkt: Adipositas ist eine chronische Erkrankung, die offiziell von den medizinischen Behörden in Deutschland anerkannt wird.[3] So wie ein Diabetiker seine Medikamente nicht einfach absetzt, sobald seine Blutzuckerwerte stimmen, braucht auch die Gewichtsbehandlung oft eine Langzeitstrategie.
Dann stellt sich oft die Frage: „Muss ich denn ewig Medikamente nehmen?” Die Antwort ist differenzierter. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Ihr Gewicht nach der Abnehmphase zu stabilisieren.
Der Weg mit der Erhaltungsdosis
Anstatt die Abnehmspritze komplett abzusetzen, wechseln viele zu einer niedrigeren Erhaltungsdosis. Das ist wie beim Bergsteigen: Die anstrengende Aufstiegsphase ist geschafft, jetzt geht es darum, die erreichte Höhe zu halten, zwar mit weniger Kraftaufwand, aber weiterhin mit der nötigen Unterstützung.
Bei Mounjaro könnte das beispielsweise bedeuten, dass Sie nach einer erfolgreichen Gewichtsabnahme die Dosis reduzieren. Bei Wegovy funktioniert es ähnlich. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber, welche Dosis für Sie als Erhaltungstherapie sinnvoll ist.
Ihr unsichtbares Sicherheitsnetz
Die Behandlung verschafft Ihnen Spielraum. Wenn der Appetit nicht mehr im Vordergrund steht, können Sie sich auf andere Dinge konzentrieren: Welche Mahlzeiten tun Ihnen gut? Wann bewegen Sie sich gerne? Was hilft Ihnen, mit Stress umzugehen, ohne zum Essen zu greifen?
Je besser diese neuen Routinen sitzen, desto leichter wird es später, egal ob Sie die Dosis reduzieren oder ganz aussteigen.
Praktische Strategien gegen den Jojo-Effekt
1. Langsam ausschleichen statt abrupt stoppen
Wenn Sie sich entscheiden, die Behandlung zu beenden, machen Sie es schrittweise. Reduzieren Sie die Dosis allmählich über mehrere Wochen oder Monate. So geben Sie Ihrem Körper und Ihren Gewohnheiten Zeit, sich anzupassen.
2. Bleiben Sie in Kontakt mit Ihrem Körper
Wiegen Sie sich regelmäßig, nicht obsessiv, aber konsequent. Einmal pro Woche am gleichen Wochentag reicht völlig aus. Wenn Sie merken, dass Ihr Gewicht um zwei bis drei Kilo steigt, können Sie frühzeitig gegensteuern.
3. Bewegung wird Ihr bester Freund
Regelmäßige Bewegung hilft enorm beim Gewicht halten. Finden Sie etwas, das Ihnen Spaß macht, ob Spazierengehen, Schwimmen, Tanzen oder Gartenarbeit. Der beste Sport ist der, den Sie auch wirklich machen.
4. Eiweißreiche Ernährung stabilisiert
Achten Sie auf ausreichend Protein in Ihrer Ernährung. Eiweiß hält länger satt und hilft, Muskelmasse zu erhalten. Das ist wichtig, denn Muskeln verbrennen auch in Ruhe Kalorien. Gute Quellen sind mageres Fleisch, Fisch, Hülsenfrüchte, Milchprodukte und Eier.
5. Holen Sie sich professionelle Unterstützung
Eine Ernährungsberatung kann Wunder wirken. Dort lernen Sie nicht nur, was Sie essen sollten, sondern auch, warum Sie essen und wie Sie mit emotionalem Hunger umgehen. Viele Krankenkassen übernehmen die Kosten, besonders bei Adipositas.[6]
Was können Mounjaro und Wegovy wirklich leisten?
GLP-1-Behandlungen wie Wegovy und Mounjaro regulieren den Appetit und verbessern das Sättigungsgefühl. Die Ergebnisse aus klinischen Studien sind beachtlich:
In der STEP-1-Studie verloren Anwender von Wegovy (Semaglutid 2,4 mg) über 68 Wochen durchschnittlich etwa 15% ihres Körpergewichts, teilweise bis zu 20%.[7] Bei Mounjaro (Tirzepatid 15 mg) lag die durchschnittliche Gewichtsabnahme in der SURMOUNT-1-Studie über 72 Wochen bei etwa 21%, in einigen Fällen sogar bei 25%.[8]
Wie gut Sie persönlich ansprechen, hängt von verschiedenen Faktoren ab: Dosierung, Lebensstil und wie Ihr Körper reagiert. Unser medizinisches Team begleitet Sie dabei, die passende Lösung für Sie zu finden.
Ihr persönlicher Plan
Jeder Mensch ist anders, und was bei Ihrer Nachbarin funktioniert, passt vielleicht nicht zu Ihnen. Arbeiten Sie eng mit Ihrer Ärztin zusammen, um einen individuellen Plan zu entwickeln:
- Wie lange sollten Sie die volle Dosis nehmen?
- Welche Erhaltungsdosis ist für Sie sinnvoll?
- Welche Laborwerte sollten regelmäßig kontrolliert werden?
- Welche Lifestyle-Änderungen passen zu Ihrem Alltag?
Fazit: Adipositas braucht eine langfristige Strategie
Nach dem Absetzen von Medikamenten wie Wegovy oder Mounjaro kann es zu einer erneuten Gewichtszunahme kommen. Das ist kein Zeichen von persönlichem Versagen, sondern Ausdruck einer chronischen Stoffwechselerkrankung.
Deshalb sollte die entscheidende Frage nicht lauten: „Wie schnell nehme ich ab?“, sondern: „Wie sichere ich mein Gewicht langfristig?“
Adipositas erfordert, wie andere chronische Erkrankungen auch, ein nachhaltiges Behandlungskonzept. Dazu können eine langfristige medikamentöse Strategie, eine individuell angepasste Erhaltungstherapie, strukturierte Ernährungsumstellung, Bewegung und ärztliche Begleitung gehören.
Geduld bleibt wichtig. Schwankungen sind normal. Entscheidend ist die Richtung, nicht der einzelne Wert auf der Waage. Mit realistischen Erwartungen, medizinischer Begleitung und einem klaren Langzeitplan lässt sich das Risiko eines Jojo-Effekts deutlich reduzieren. Nachhaltiger Erfolg entsteht nicht durch kurzfristige Maßnahmen, sondern durch eine Therapie, die langfristig gedacht und begleitet wird.
Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder in Ihrer Apotheke. Diese Informationen ersetzen nicht die professionelle Beratung durch einen Arzt oder eine Ärztin. Individuelle Ergebnisse können variieren. Die Behandlungen unterliegen der Genehmigung durch eine zertifizierte Ärztin oder einen zertifizierten Arzt, der/die die individuelle Eignung beurteilt.
Nächste geplante Überprüfung: 23 Februar 2029
Quellen
Authors
Verfasst von: Evelyn Barrett
Evelyn Barrett
Fachlich geprüft von: Dr. Kareem Mahmoud
Dr. Kareem Mahmoud
Note from the experts
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