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Schneller Gewichtsverlust: Warum Haarausfall auftreten kann
MedExpress Redaktion
Dr. Kareem Mahmoud
15. September 2026


Was passiert beim Abnehmen mit dem Haarzyklus?
Zusammenhang zwischen Gewichtsverlust und Haarausfall
Welche Rolle spielen Kaloriendefizit und Nährstoffmangel?
Kann die Abnehmspritze Haarausfall verursachen?
Wie äußert sich der Haarausfall bei Wegovy, Mounjaro und Co.?
Wie lange dauert der Haarausfall nach dem Abnehmen?
Was hilft gegen Haarausfall beim Abnehmen?
Fazit: Haarausfall nach schnellem Abnehmen ist meist vorübergehend
Wer schnell Gewicht verliert, bemerkt manchmal nicht nur sinkende Zahlen auf der Waage. Es kann auch passieren, dass mehrere Wochen und Monate später plötzlich deutlich mehr Haare in der Bürste oder im Abfluss landen. Dafür gibt es Gründe. Unser Artikel erläutert, warum es bei schnellem Gewichtsverlust zu Haarausfall kommen kann und welche Gegenmaßnahmen es gibt.
Jedes Haar durchläuft verschiedene Phasen: eine mehrjährige Wachstumsphase, eine kurze Übergangsphase und eine zwei- bis viermonatige Ruhephase. Danach fallen die Haare aus und wachsen nach einigen Wochen wieder aus dem Haarfollikel nach. Daher verlieren wir täglich und ganz natürlich Haare. Im Rahmen dieses normalen Prozesses kann es unter bestimmten Umständen aber auch dazu kommen, dass viele Haare gleichzeitig vorzeitig in die genannte Ruhephase wechseln, die auch als Telogen bekannt ist, und dann ausfallen.
Dieser Vorgang heißt telogenes Effluvium (Haarverlust) und kann ausgelöst werden, wenn der Körper unter besonderer Belastung steht. Das können Krankheiten sein, große Operationen – oder auch Fasten und Diäten. Zum durch Abnehmen ausgelösten Haarausfall gibt es wissenschaftliche Arbeiten. Eine 2024 veröffentlichte Studie untersuchte 140 Personen mit gewichtsverlustbedingtem telogenen Effluvium. Dabei hatten die Betroffenen im Durchschnitt 15,2% ihres Körpergewichts verloren bei einer durchschnittlichen Gewichtsabnahme von 3,54 kg pro Monat.[3]
Eine schnelle Gewichtsabnahme stellt für den Körper eine Belastung dar. Gleichzeitig wird bei einer stark kalorienreduzierten Ernährung häufig weniger Eiweiß und weniger von bestimmten Vitaminen und Mineralstoffen aufgenommen. Diese Kombination kann den beschriebenen normalen Haarzyklus beeinträchtigen.
Wie stark der Haarausfall ausfällt, hängt dabei nicht allein von der Zahl auf der Waage ab. Entscheidend können auch die Geschwindigkeit der Gewichtsabnahme, die Dauer des Kaloriendefizits und die individuelle Nährstoffversorgung sein.[3]
Eine ausreichende Versorgung mit Energie und Nährstoffen ist wichtig für die normale Funktion der Haarfollikel. Besonders bei einer stark eingeschränkten Ernährung können Defizite entstehen. So gehört beispielsweise Eisenmangel zu den möglichen Ursachen eines diffusen (gleichmäßigen) Haarausfalls.[1]
Das bedeutet allerdings nicht, dass jeder Haarausfall beim Abnehmen auf einen Nährstoffmangel zurückzuführen ist. Ein telogenes Effluvium kann auch durch die körperliche Belastung der schnellen Gewichtsabnahme selbst ausgelöst werden.
Auch bei einer Behandlung mit Abnehmspritzen kann Haarausfall auftreten:
Bei Wegovy® mit dem Wirkstoff Semaglutid ist Haarausfall in der europäischen Produktinformation als häufige Nebenwirkung aufgeführt. In den klinischen Studien wurde er bei 2,5% der mit Semaglutid behandelten Personen und bei 1% unter Placebo beobachtet. Haarausfall trat dabei häufiger bei Personen mit einem besonders starken Gewichtsverlust von mindestens 20% auf.[4] Dies deutet darauf hin, dass auch der Gewichtsverlust selbst zum Auftreten von Haarausfall beitragen könnte und dies nicht zwangsläufig allein auf den Wirkstoff zurückzuführen ist. Auch für Mounjaro® (Tirzepatid) wird Haarausfall als häufige Nebenwirkung gelistet.[5]
Der Haarausfall tritt nicht direkt zum Start der Behandlung, sondern zeitlich verzögert ein. Das liegt an dem beschriebenen Haarzyklus: Wenn die Haare vorzeitig in die Ruhephase treten, fallen sie nicht direkt aus. Viele Betroffene bringen die Abnehmspritze und die damit verbundene reduzierte Kalorienzufuhr daher nicht direkt mit dem Haarverlust in Verbindung, der oft erst 2 bis 4 Monate danach auftritt.
Wann die Haare ausfallen und in welchem Umfang, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Dazu gehören die Geschwindigkeit der Gewichtsabnahme, wie viele Kalorien konsumiert werden und die Versorgung mit Eiweiß und anderen Nährstoffen. Auch andere, bereits bestehende Ursachen für Haarausfall können eine Rolle spielen.
Ein durch Gewichtsverlust ausgelöster Haarausfall ist in der Regel vorübergehend. Nach dem Ende der Ruhephase fallen die betroffenen Haare aus, während gleichzeitig neue Haare nachwachsen können. Da der Haarzyklus langsam verläuft, kann es jedoch einige Monate dauern, bis die ursprüngliche Haardichte wieder erreicht wird.
Entscheidend ist, dass der auslösende Faktor nicht dauerhaft bestehen bleibt. Nach einer erfolgreichen Gewichtsabnahme sollte daher auch auf eine ausreichende Energie- und Nährstoffversorgung geachtet werden, nicht zuletzt auch, um einen Jo-Jo-Effekt zu vermeiden.
Haarausfall bei Gewichtsverlust lässt sich nicht immer vermeiden. Die wichtigste Maßnahme ist immer, eine ausreichende Versorgung mit Energie, Eiweiß und wichtigen Nährstoffen sicherzustellen. Eine ausgewogene Ernährung mit beispielsweise Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Obst und Gemüse sowie eiweißreichen Lebensmitteln wie Quark, Joghurt, Eiern, Fisch oder Hähnchen- und Putenfleisch kann dazu beitragen, die beschriebene körperliche Belastung während der Gewichtsabnahme zu reduzieren. Besonders wichtige Nährstoffe für die Haargesundheit sind Eisen, Zink und bestimmte B-Vitamine.
Nahrungsergänzungsmittel sind dabei nicht grundsätzlich erforderlich und sollten auch nicht auf Verdacht eingenommen werden. Wer sich Gedanken über einen Nährstoffmangel macht, kann dies ärztlich untersuchen lassen. Auch bei sehr starkem oder länger anhaltenden Haarausfall, kahlen Stellen oder auffälligen Veränderungen der Kopfhaut macht eine medizinische Beratung Sinn.
Schneller Gewichtsverlust kann den Haarzyklus verändern und mit zeitlicher Verzögerung einen vorübergehenden Haarausfall verursachen, der als telogenes Effluvium bekannt ist. Wenn die Kalorienrestriktion sehr stark oder die Nährstoffversorgung unzureichend ist, kann dieser Effekt noch verstärkt werden.
Auch bei Abnehmmedikamenten kann Haarverlust beobachtet werden, wobei nicht eindeutig belegt ist, wie sehr dies auf das jeweilige Arzneimittel direkt oder den Gewichtsverlust im Zusammenspiel mit der verringerten Nahrungsaufnahme zurückzuführen ist. In vielen Fällen normalisiert sich der Haarzyklus wieder, wenn die Gewichtsabnahme abgeschlossen ist und der Körper ausreichend mit Energie und Nährstoffen versorgt wird.
Ihre erste Anlaufstelle
Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin, um zu klären, ob eine Behandlung mit Wegovy oder Mounjaro für Sie geeignet ist. Alternativ berät Sie das MedExpress-Team gern zu Ihren Optionen.
Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder in Ihrer Apotheke. Diese Informationen ersetzen nicht die professionelle Beratung durch einen Arzt oder eine Ärztin. Individuelle Ergebnisse können variieren. Über die Verschreibung einer Behandlung entscheiden qualifizierte Ärztinnen und Ärzte nach einer individuellen medizinischen Beurteilung.
Nächste geplante Überprüfung: 15. September 2029





MedExpress Redaktion
Dr. Kareem Mahmoud
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