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Gibt es das „Ozempic Face“ wirklich? Was beim Abnehmen mit der Haut im Gesicht passiert
MedExpress Redaktion
Dr. Kareem Mahmoud
3 September 2026


Was ist ein Ozempic-Gesicht?
Was sagt die Wissenschaft zum Ozempic-Gesicht?
Warum verändert sich das Gesicht beim Abnehmen?
Welche Veränderungen können im Gesicht auftreten?
Wer ist besonders anfällig für ein Ozempic-Gesicht?
Was kann man gegen ein „Ozempic Face“ tun?
Fazit: „Ozempic Face“ ist real, aber keine medizinische Diagnose
Wer mit Ozempic® oder einem anderen Abnehmmedikament deutlich an Gewicht verliert, kann nicht nur Veränderungen an der Körperform bemerken. Auch das Gesicht kann sich verändern – mit schmaleren Wangen, schlaffer Haut und Falten oder Gesichtskonturen, die stärker hervortreten. Für dieses Phänomen hat sich in den Medien der Begriff „Ozempic Face“ etabliert.
Doch was steckt hinter dem Ozempic-Gesicht? Ist es eine direkte Nebenwirkung dieses spezifischen Medikaments oder schlicht eine Folge des Gewichtsverlustes? Und was kann man gegen die Veränderungen im Gesicht tun? Unser Beitrag beantwortet alle wichtigen Fragen zum Thema.
Der Begriff „Ozempic Face“ geht auf den US-amerikanischen Dermatologen Dr. Paul Jarrod Frank zurück. Er verwendete den Ausdruck erstmals 2023 in einem Interview mit der „New York Times“, um das „eingefallene“ Aussehen im Gesicht seiner Patientinnen und Patienten nach einer raschen Gewichtsabnahme durch Abnehmspritzen zu beschreiben.
Wichtig an dieser Stelle: „Ozempic Face“ ist keine medizinische Fachterminologie und bezeichnet auch keine offiziell anerkannte Nebenwirkung des Medikaments Ozempic, das den Wirkstoff Semaglutid enthält. Vielmehr wird der Begriff inzwischen umgangssprachlich in einem weiteren Sinne genutzt und beschreibt Gesichtsveränderungen, die häufig nach jeder Form von erheblichem Gewichtsverlust beobachtet werden, auch wenn kein Semaglutid im Spiel ist. Die Gesichtsveränderungen können auch beim Abnehmen mit anderen Wirkstoffen derselben pharmakologischen Klasse auftreten, wie beispielsweise dem in der Mounjaro® Abnehmspritze enthaltenen Tirzepatid – genau wie bei einem Gewichtsverlust ohne Medikamente.
Grundsätzlich ist das heute mit „Ozempic Face“ beschriebene Phänomen in der Wissenschaft nicht neu. Eine systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2024 kam zu dem Ergebnis, dass eine starke Gewichtsabnahme nach bariatrischen Operationen wie beispielsweise einem Magenbypass zu einem Volumenverlust im Gesicht und einer stärkeren Hauterschlaffung führen, die dem Alterungsprozess ähneln.[1]
In der wissenschaftlichen Forschung gibt es bisher nicht genügend belastbare Daten dafür, dass Ozempic oder andere Medikamente dieser Art einen spezifischen Effekt auf die Gesichtshaut haben. Eine der ersten quantitativen Untersuchungen speziell zum Ozempic-Gesicht stammt aus dem Jahr 2025.[2] Sie konnte bei Menschen, die sich einer Therapie mit GLP-1-Medikamenten wie Ozempic unterzogen, einen messbaren Rückgang des Mittelgesichtsvolumens nachweisen.
Allerdings hat die Studie wichtige Einschränkungen. Sie umfasste nur 20 Personen und war retrospektiv angelegt. Ein aktueller Studienvergleich zeigt: Derzeit gibt es keine ausreichenden Belege dafür, dass GLP-1-Rezeptoragonisten bzw. GLP/GLP-1-Rezeptoragonisten wie Semaglutid und Tirzepatid gezielt Gesichtsvolumen abbauen. Die Veränderungen im Gesicht scheinen vielmehr Teil des allgemeinen Gewichtsverlustes zu sein.[3]
Daher ist es wichtig, zwischen einer direkten Wirkung des Medikaments, das dem „Ozempic Face“-Phänomen seinen Namen gibt, und einer generellen Folge der Gewichtsabnahme zu unterscheiden. Denn der Körper verliert bei diesem Prozess überall Fett – auch im Gesicht.
Das Gesicht besteht nicht nur aus Haut und Muskulatur. Unter der Haut liegen Fettpolster, die unsere Gesichter formen und ihnen Volumen geben. Dieses Fettgewebe findet sich unter anderem im Bereich der Wangen, Schläfen und um die Augen.
Mit dem Alter nehmen bestimmte Fettdepots auf natürliche Weise an Volumen ab oder verlagern sich. Dadurch können Wangen und Schläfen eingefallener wirken und Falten stärker hervortreten. Bei einer deutlichen Gewichtsabnahme kann dieser Effekt zusätzlich sichtbar werden: Verliert das Gesicht an Fettvolumen, muss sich die darüberliegende Haut an eine kleinere Gewebemenge anpassen. Abhängig davon, wie elastisch die Haut ist, funktioniert diese Anpassung an die Volumenverringerung besser oder schlechter. Die Fettpolster geben dem Gesicht aber nicht nur Volumen. Sie unterstützen auch die Gesichtshaut. Daher kann sich weniger Fettgewebe auch darauf auswirken, wie straff und glatt die Haut erscheint.[4]
Wie sich das Gesicht bei einer Gewichtsabnahme verändert, unterscheidet sich von Mensch zu Mensch. Dabei können einige typische Merkmale auftreten:
Studien zur Gesichtsveränderung nach starkem Gewichtsverlust beschreiben insbesondere den Verlust von Volumen im Mittelgesicht, stärkere Nasolabialfalten und schlaffe Haut als wiederkehrende Veränderungen.[1]
Wie stark sich eine Gewichtsabnahme im Gesicht bemerkbar macht, hängt von mehreren Faktoren ab. Dazu gehören zum einen das Ausmaß des Gewichtsverlustes, wie schnell abgenommen wird, das Alter und die individuelle Hautelastizität. Aber auch genetische Faktoren, die ursprüngliche Verteilung des Fettgewebes im Gesicht oder UV-bedingte Hautschäden und andere Faktoren der Hautalterung können eine Rolle spielen.
Zudem muss das Ausgangsgewicht in Betracht gezogen werden. Wer sehr viel Gewicht verliert, verliert entsprechend mehr Körperfett und kann deshalb stärkere Veränderungen der Gesichtskonturen bemerken. Bei älteren Menschen kommt dazu, dass der natürliche Gehalt von Elastin, Kollagen und Hyaluronsäure im Körper abnimmt. Gemeinsam bilden diese Stoffe ein Stütz- und Feuchtigkeitsgerüst für die Haut. Die Haut kann daher noch schlaffer wirken, wenn bei einem Gewichtsverlust zusätzlich Fettpolster im Gesicht weniger werden.
Der Verlust von Fettgewebe ist ein wesentlicher Bestandteil einer erfolgreichen Gewichtsabnahme. Daher können Veränderungen auch im Gesicht nicht vollständig verhindert werden.
Sie können aber etwas dafür tun, die allgemeine Hautgesundheit während der Gewichtsabnahme zu unterstützen. Dazu gehören eine ausreichende Versorgung mit Protein und anderen wichtigen Nährstoffen sowie regelmäßige körperliche Aktivität, insbesondere Krafttraining. Diese Maßnahmen können den Erhalt von Muskelmasse unterstützen, sie verhindern jedoch nicht gezielt den Verlust von Fettgewebe im Gesicht.
Grundsätzlich ist für das Gesicht eine gute Hautpflege mit Feuchtigkeitsprodukten und täglichem Sonnenschutz sinnvoll. Gerade Sonneneinstrahlung beschleunigt die strukturelle Alterung der Haut und kann unter anderem elastische Fasern schädigen.[5] Allerdings kann eine Hautpflege verlorenes Gesichtsvolumen natürlich nicht ersetzen und man sollte keine unrealistischen Erwartungen an Cremes und Pflegeprodukte haben.
Wer für eine Verbesserung des Erscheinungsbilds der Gesichtshaut Behandlungen wie Laser- und Ultraschall oder Microneedling in Betracht zieht, sollte sich immer von seinem Dermatologen oder seiner Dermatologin beraten lassen.
Das Ozempic-Gesicht beschreibt ein reales Phänomen, ist aber keine eigenständige medizinische Diagnose. Die derzeit verfügbaren Daten sprechen vor allem dafür, dass die Veränderungen, die bei deutlicher Gewichtsabnahme im Gesicht durch den Rückgang von Fettpolstern entstehen, allgemeiner Natur und keine direkte Folge von Ozempic oder anderen Abnehmmedikamenten sind.
Der Verlust von Fettgewebe im Gesicht ist normaler Bestandteil einer Gewichtsabnahme. Wie sehr sich das Gesicht dabei ändert und in welchem Umfang sich die Haut an ihre verringerten Fettpolster anpasst, wird dabei auch von einer Reihe individueller Faktoren beeinflusst. Dazu gehören das Alter, die generelle Hautelastizität sowie das Ausmaß des Gewichtsverlustes.
Ihre erste Anlaufstelle
Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin, um zu klären, ob eine Behandlung mit Mounjaro oder Wegovy für Sie geeignet ist. Alternativ berät Sie das MedExpress-Team gern zu Ihren Optionen.
Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder in Ihrer Apotheke. Diese Informationen ersetzen nicht die professionelle Beratung durch einen Arzt oder eine Ärztin. Individuelle Ergebnisse können variieren. Über die Verschreibung einer Behandlung entscheiden qualifizierte Ärztinnen und Ärzte nach einer individuellen medizinischen Beurteilung.
Nächste geplante Überprüfung: 3 September 2029





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Dr. Kareem Mahmoud
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