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Abnehmspritzen und Frauengesundheit
Abnehmspritzen und Frauengesundheit
Katharina Weis
Dr. Kareem Mahmoud
25 Februar 2026


GLP-1-Medikamente sind in aller Munde. In Deutschland nutzen derzeit etwa 880.000 Menschen mit Diabetes GLP-1-Medikamente wie Mounjaro oder Wegovy – Tendenz stark steigend. Die Zahl der Behandelten hat sich in den letzten fünf Jahren mehr als verdoppelt.[1] Frauen lassen sich dabei häufiger Abnehmspritzen verschreiben als Männer: In einer US-amerikanischen Umfrage gaben etwa 15% der Frauen an, derzeitig ein GLP-1-Medikament anzuwenden.[2] Für Frauen gibt es jedoch bei der Anwendung von Abnehmspritzen einiges zu beachten. In diesem Artikel erfahren Sie, was Sie wissen müssen.
So wirken Abnehmspritzen
Mounjaro (Wirkstoff Tirzepatid) und Wegovy (Wirkstoff Semaglutid) zählen zu den gängigsten Abnehmspritzen. Beide Medikamente sind verschreibungspflichtig und zur Unterstützung bei der Gewichtsabnahme zugelassen. Voraussetzung für die Verschreibung ist ein Body Mass Index (BMI) von über 30 bzw. ein BMI von über 27, wenn gewichtsbedingte Begleiterkrankungen vorliegen.
Die Medikamente ahmen Darmhomone nach, welche dabei helfen, den Blutzuckerspiegel zu regulieren, die Magenentleerung zu verlangsamen und den Appetit zu reduzieren. In Studien konnte nachgewiesen werden, dass Teilnehmende je nach Dosis durchschnittlich mindestens 15% an Gewicht verloren.[3][4] In Verbindung mit ausreichend Sport und einer ausgewogenen Ernährung werden Abnehmspritzen deshalb als Unterstützung bei der Gewichtsabnahme eingesetzt.
Das müssen Frauen beachten
Zyklus, Menopause, ein bestehender Kinderwunsch oder hormonelle Störungen wie PCOS: Frauen durchlaufen in den verschiedenen Lebensphasen immer wieder Veränderungen, die beeinflussen können, ob und wie eine Behandlung mit Abnehmspritzen sinnvoll ist.
Menopause
Die Wechseljahre bringen für viele Frauen nicht nur Hitzewallungen und Stimmungsschwankungen mit sich: Auch das Körpergewicht kann sich ändern. Die Hormonumstellung während der Peri- und Postmenopause kann beeinflussen, wie Abnehmspritzen wirken – deshalb ist es wichtig zu verstehen, was in dieser Lebensphase zu beachten ist.
Viele Frauen bemerken während der Wechseljahre eine Gewichtszunahme. Durch den sinkenden Östrogenspiegel kommt es zu Veränderungen im Stoffwechsel, wodurch sich das Körpergewicht verschiebt und mehr Bauchfett angelagert wird. Aber warum ist das so?
Östrogen spielt eine aktive Schutzrolle: Es beeinflusst, wo der Körper Fett speichert, und wirkt sich auf den Stoffwechsel aus. Mit sinkendem Östrogenspiegel verschiebt sich die Fettverteilung von den Hüften in den Bauchraum – sogenanntes viszerales Fett. Dabei handelt es sich um Bauchfett, das in direktem Zusammenhang mit einem erhöhten Risiko für für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes steht.[5]
GLP-1-Medikamente können an diesen Stoffwechselprozessen ansetzen: Sie unterstützen die Gewichtsabnahme und können so dem durch die Menopause begünstigten Anstieg des Bauchfetts entgegenwirken. In einer großen klinischen Studie, an der übergewichtige Erwachsene mit vorbestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen teilnahmen, wurde außerdem nachgewiesen, dass Semaglutid das Risiko für schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse wie Herzinfarkte oder Schlaganfälle um 20% senken kann.[6]
Aber nicht nur hormonelle Veränderungen begünstigen die Gewichtszunahme: Auch ein bewegungsärmerer Alltag spielt eine Rolle. Weniger körperliche Aktivität kann zum Abbau von Muskelmasse führen, was den Grundumsatz senkt und die Gewichtszunahme weiter fördert. Dadurch erhöht sich unter anderem das Risiko für Diabetes Typ 2 und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.[7] Hier können Abnehmspritzen ein Ansatzpunkt für gesunde Lebensstiländerungen sein.
Die hormonellen Änderungen gehen häufig mit körperlichen Symptomen einher, welche sich je nach Ausprägung auch auf den Alltag der Betroffenen auswirken können. Viele Frauen entscheiden sich deshalb zusammen mit ihrer Ärztin für eine Hormonersatztherapie, um die Symptome zu lindern. In einer Studie aus dem Jahr 2024 wurde festgestellt, dass Frauen, die eine Hormontherapie durchlaufen, mit Semaglutid nach 12 Monaten 16% ihres Anfangsgewichts verlieren konnten – im Gegensatz zu 12% in der Gruppe ohne Hormontherapie.[8] Der Wirkstoff Tirzepatid wirkt in allen Lebensphasen ähnlich, egal ob prä-, peri- oder postmenopausal.[9]
Verhütung und Kinderwunsch
In den vergangenen Jahren war immer häufiger von sogenannten „Ozempic-Babies“ die Rede: Ozempic ist der Handelsname für den Wirkstoff Semaglutid und ist in Deutschland ausschließlich zur Behandlung von Typ-2-Diabetes zugelassen. Für die Gewichtsreduktion ist Semaglutid hierzulande unter dem Handelsnamen Wegovy zugelassen. Der Wirkstoff selbst führt jedoch nicht zu Schwangerschaften, sondern vielmehr der Gewichtsverlust. Denn eine Gewichtsabnahme von 5–10% kann dazu beitragen, dass Frauen, die sonst keine regelmäßigen Zyklen oder Eisprünge haben, wieder regelmäßig ovulieren.[10][11]
Während Semaglutid die Wirkung der Antibabypille nicht direkt beeinflusst, sollten Frauen, die Tirzepatid anwenden und mit der Antibabypille verhüten, besonders vorsichtig sein: Der Wirkstoff in der Mounjaro-Abnehmspritze wirkt sich nämlich stärker auf die Aufnahme oraler Verhütungsmittel aus. Durch die verzögerte Magenentleerung geht ein geringerer Anteil des Wirkstoffs aus der Pille in den Blutkreislauf über. Daher wird empfohlen, auf eine nicht-orale Verhütungsmethode zurückzugreifen oder nach Beginn der Behandlung sowie nach jeder Dosisanpassung vier Wochen lang eine Barrieremethode wie Kondome zu nutzen.[12]
Die Wirkung von nicht-oralen Verhütungsmitteln wie Kupferspiralen, Implantaten, Pflastern, Kondomen oder Spritzen wird durch GLP-1-Medikamente nicht beeinflusst.[13]
Schwangerschaft und Stillzeit
Sowohl Mounjaro (Tirzepatid) als auch Wegovy (Semaglutid) dürfen während der Schwangerschaft nicht angewendet werden, da in Tierstudien Hinweise auf mögliche Risiken für die Entwicklung des ungeborenen Kindes gefunden wurden. Auch während der Stillzeit sollte auf beide Medikamente verzichtet werden, da die Wirkstoffe über die Muttermilch in das Kind übergehen können.[14][15]
PCOS
Das polyzystische Ovarialsyndrom (kurz PCOS) ist eine hormonelle Störung, bei der ein erhöhter Spiegel an männlichen Hormonen im Blut auftritt. Eines der häufigsten Symptome sind unregelmäßige oder ausbleibende Menstruationsblutungen sowie verstärkte Körperbehaarung, Akne, Haarausfall und Übergewicht.[16] Abnehmspritzen können dabei helfen, Gewicht zu verlieren, was zu regelmäßigeren Zyklen und Eisprüngen führen kann. Sie helfen außerdem dabei, die Insulinresistenz zu senken und Körperfett zu reduzieren, wodurch das Risiko für Stoffwechsel- sowie Herz- und Gefäßkrankheiten verringert wird.[13]
Wirkung und Nebenwirkungen
Wie bei jedem Medikament können auch bei Abnehmspritzen Nebenwirkungen auftreten. Diese können bei Frauen jedoch häufiger sein: So traten bei der Anwendung von Semaglutid zur Unterstützung der Gewichtsabnahme 73% der gemeldeten unerwünschten Nebenwirkungen bei Frauen auf – was unter anderem auch damit zusammenhängt, dass Frauen das Medikament deutlich häufiger anwenden als Männer. Frauen berichteten vor allem von Übelkeit, Erbrechen und Durchfall.[17] Zusätzlich verlieren Frauen mit Semaglutid auch mehr Gewicht. Dies kann zum einen auf das allgemein niedrigere Körpergewicht zurückzuführen sein, wodurch die Wirkstoffkonzentration höher ausfällt. Zum anderen wird der Magen je nach Geschlecht unterschiedlich schnell geleert.[18]
Die Bedeutung ärztlicher Beratung
Wenn Sie eine Behandlung mit Abnehmspritzen in Betracht ziehen, ist Ihre Arztpraxis Ihre erste Anlaufstelle. Dort erfahren Sie, ob Sie für die Behandlung in Frage kommen, was Sie bei der Anwendung beachten sollten und wie Sie mögliche Nebenwirkungen bewältigen können. Zusätzlich kann Ihre ärztliche Fachkraft auch zum Thema Ernährung beraten: Denn durch das verringerte Hungergefühl besteht das Risiko, nicht ausreichend Nährstoffe aufzunehmen, was unter anderem den Abbau von Muskelmasse fördern kann. Auch Krafttraining kann diesem Prozess entgegenwirken.
Abnehmspritzen als Wegbereiter für einen gesünderen Lebensstil
Abnehmspritzen wie Wegovy und Mounjaro sind verschreibungspflichtige Medikamente, die im Rahmen einer ärztlich begleiteten Therapie beim Abnehmen unterstützen können. Langfristiger und nachhaltiger Gewichtsverlust kann jedoch nur in Kombination mit einer ausgewogenen Ernährung und ausreichend Sport erzielt werden. Mit weiteren Lebensstiländerungen wie zum Beispiel ausreichend Schlaf und Stressmanagement können Sie die Wirkung der Medikamente unterstützen und das erreichte Gewicht auch langfristig aufrechterhalten. Wie viel Sie letztendlich abnehmen, ist von vielen Faktoren abhängig: Dosierung, körperliche Beschaffenheit, Lebensweise und vieles mehr. Daher kann die Wirkung von Person zu Person unterschiedlich ausfallen. Umfassende Aufklärung durch Ihre ärztliche Fachkraft und informierte Entscheidungen können dabei helfen, Erwartungen anzupassen und einen ganzheitlichen Ansatz zu verfolgen – denn Gewichtsverlust ist sehr viel mehr als nur die Zahlen auf der Waage.
Nächste geplante Überprüfung: 25 Februar 2029
Quellen

Wie viel nimmt man mit Wegovy ab

Abnehmspritzen und Jojo-Effekt: Kann ich den Gewichtsverlust langfristig halten?

Abnehmpillen – sind sie wirklich besser?

Erfolgreich Abnehmen: Mehr als nur Zahlen auf der Waage?
Authors

Verfasst von: Katharina Weis
Katharina Weis
Fachlich geprüft von: Dr. Kareem Mahmoud
Dr. Kareem Mahmoud
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