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Telemedizin in der Adipositastherapie: was Patient:innen wissen sollten
Dr. Kareem Mahmoud
Dr. Kareem Mahmoud
8 Mai 2026


Im Interview mit Novo Nordisk gibt Dr. Kareem Mahmoud, medizinischer Leiter bei MedExpress, tiefe Einblicke in die moderne Adipositas-Versorgung.
Telemedizin bei Adipositas: Ein Blick hinter die Kulissen mit unserem Experten Dr. Kareem Mahmoud
Wie kann digitale Gesundheit die Versorgung von Menschen mit Adipositas nachhaltig verbessern? Zu diesem spannenden Thema stand unser Medizinischer Leiter Deutschland, Dr. Kareem Mahmoud, kürzlich der Plattform über-gewicht.de von Novo Nordisk Rede und Antwort. Wir freuen uns, dieses aufschlussreiche Interview nun auch hier auf unserem MedExpress-Blog mit Ihnen zu teilen. Erfahren Sie aus erster Hand, wie wir bei MedExpress durch strukturierte telemedizinische Prozesse Hürden abbauen und eine qualitativ hochwertige, diskrete Adipositas-Therapie direkt zu Ihnen nach Hause bringen.
Im Fokus des Gesprächs steht die Frage: Wie kann Telemedizin Patient:innen konkret helfen – und worauf sollten sie achten?
1. Herr Dr. Kareem Mahmoud, Telemedizin wird immer präsenter – gerade auch in der Adipositastherapie. Was sollten Patient:innen grundsätzlich wissen, bevor sie ein telemedizinisches Angebot nutzen?
Das Wichtigste ist zunächst zu verstehen, was Telemedizin ist und was sie nicht ist. Es handelt sich um einen medizinisch betreuten, strukturierten Prozess – und nicht etwa einen Weg, um eine sorgfältige klinische Bewertung zu umgehen. Bei MedExpress durchlaufen Patient:innen eine echte medizinische Beurteilung, bevor ein Medikament verschrieben wird. Telemedizin funktioniert am besten, wenn Patient:innen offen und vollständig Angaben zu ihrer Krankengeschichte und ihren Symptomen machen, denn genau damit arbeiten die verschreibenden Ärzt:innen. Ich sehe ein großes Potenzial in der Telemedizin, weil sie den Zugang zu qualitativ hochwertiger medizinischer Versorgung wirklich verbessert und Menschen erreicht, die sonst mit langen Wartezeiten, geografischen Barrieren oder anderen Hürden konfrontiert wären. Und wichtig: Telemedizinische Angebote in Deutschland unterliegen einem regulierten Rahmen, das heißt, dieselben Standards medizinischer Verantwortung wie in jedem anderen klinischen Umfeld gelten.
2. Für welche gesundheitlichen Anliegen kann Telemedizin aus medizinischer Sicht sinnvoll sein – und wo sehen Sie klare Grenzen?
Telemedizin eignet sich besonders für Erkrankungen, bei denen das klinische Bild zuverlässig durch strukturierte Anamnese und validierte Instrumente erfasst werden kann. Die Adipositastherapie ist ein gutes Beispiel dafür. Wir arbeiten nicht mit Vermutungen: BMI, Gewichtsanamnese, Begleiterkrankungen, Medikationshistorie und Gegenanzeigen sind fester Bestandteil jeder Bewertung. Klare Grenzen gibt es dort, wo eine körperliche Untersuchung, eine Notfallabklärung oder eine komplexe fachübergreifende Diagnostik erforderlich ist. Wenn Patient:innen persönliche medizinische Hilfe benötigen, würden wir sie direkt dazu anhalten, diese auch aufzusuchen.
3. Manche Patient:innen sagen: „Telemedizin ist nicht gleichwertig zu einem Termin in der Praxis – ich vertraue dem weniger.“ Was würden Sie diesen Patient:innen antworten?
Diese Skepsis ist verständlich und ich finde es besser, wenn Patient:innen Dinge hinterfragen, als sich blind auf das eine oder das andere zu verlassen. Was ich sagen würde: Eine telemedizinische Konsultation ist qualitativ nicht minderwertiger als ein Termin in der Praxis. Sie wird nur anders erbracht. Eine gut strukturierte telemedizinische Beratung kann gründlicher sein als ein gehetzter Hausarzttermin. Die Ärzt:innen bei MedExpress sind staatlich zugelassen, rechenschaftspflichtig und arbeiten innerhalb der europäischen Regulierungsstandards. Gleichzeitig ist Telemedizin nicht für alle Patient:innen oder alle Situationen geeignet – und kein seriöser Anbieter sollte das Gegenteil behaupten.
4. Welche Rolle spielt Telemedizin Ihrer Erfahrung nach für Menschen mit chronischen Erkrankungen oder langfristigem Behandlungsbedarf?
Eine sehr große. Die Behandlung einer chronischen Erkrankung wie Adipositas ist kein einmaliges Ereignis. Sie erfordert Kontinuität, regelmäßige Begleitung und eine dauerhafte Unterstützung, damit Patient:innen langfristig engagiert bleiben. Telemedizin eignet sich besonders gut für diese Art der kontinuierlichen Begleitung und erleichtert es Patient:innen, den Kontakt zu ihrem Behandlungsteam aufrechtzuerhalten, ohne an den logistischen Hürden zu scheitern. Diese Kontinuität ist bei einer langfristigen Gewichtstherapie entscheidend für den Behandlungserfolg. Ebenso wichtig ist der niedrigschwellige Zugang, den Telemedizin ermöglicht. Für Bevölkerungsgruppen, die bei der Nutzung traditioneller Versorgungsstrukturen vor besonderen Herausforderungen stehen – sei es aufgrund von körperlichen Einschränkungen, Lebensumständen oder Betreuungsaufgaben – kann eine Versorgung, die Patient:innen zu Hause erreicht, den Unterschied zwischen Therapietreue und Therapieabbruch ausmachen.
5. Welche Patientengruppen profitieren Ihrer Erfahrung nach am meisten von telemedizinischen Angeboten?
Meiner Erfahrung nach ist Telemedizin besonders wertvoll für Menschen, deren Zugang zur Gesundheitsversorgung durch Barrieren beeinträchtigt wird, die von traditionellen Gesundheitsstrukturen bislang nicht ausreichend abgebaut wurden. Adipositas ist eine Erkrankung, bei der Stigma und Scham nach wie vor sehr reale Hürden darstellen. Viele Patient:innen haben negative Erfahrungen in traditionellen Versorgungseinrichtungen gemacht, sich verurteilt oder nicht ernst genommen gefühlt. Das kann dazu führen, dass sie jahrelang keine Hilfe in Anspruch nehmen. Die relative Privatsphäre einer telemedizinischen Konsultation senkt diese Hemmschwelle erheblich. Ebenso finden Patient:innen mit eingeschränkter Mobilität, Menschen in Regionen mit schlechtem Zugang zu Fachärzt:innen oder Personen, die sich bei persönlichen Kontakten mit medizinischen Fachkräften unsicher oder ängstlich fühlen, den telemedizinischen Zugang oft weniger herausfordernd. Das Ziel ist nicht, die Arzt-Patienten-Beziehung zu ersetzen, sondern sie für Menschen erreichbar zu machen, denen der Zugang bisher schwergefallen ist.
6. Wenn sich Patient:innen für ein Telemedizin-Angebot entscheiden: Auf welche drei Dinge sollten sie unbedingt achten?
Erstens: Stellen Sie sicher, dass die Plattform ausschließlich mit zugelassenen und qualifizierten medizinischen Fachkräften zusammenarbeitet. Patient:innen haben jedes Recht, nach den Qualifikationen der behandelnden Personen zu fragen, und ein seriöser Anbieter macht diese Informationen leicht zugänglich. Zweitens: Achten Sie auf echte Patient:innenbewertungen und Erfahrungsberichte. Authentisches Feedback von Menschen, die den Dienst genutzt haben, gibt Ihnen ein viel klareres Bild davon, was Sie erwarten können, als jedes Marketingmaterial. Drittens: Achten Sie auf die Gründlichkeit der medizinischen Konsultation. Vor einer klinischen Entscheidung sollten Ihnen detaillierte Fragen zu Ihrer Krankengeschichte, aktuellen Medikamenten und relevanten Risikofaktoren gestellt werden. Wenn sich dieser Prozess gehetzt oder oberflächlich anfühlt, vertrauen Sie Ihrem Bauchgefühl. Als Patient:in haben Sie Anspruch auf eine Konsultation, in der Ihre individuelle Situation ernst genommen wird. Und wenn Sie wissen, wie gute Versorgung aussieht, fällt es Ihnen auch leichter, sie einzufordern.
7. Wie sehen Sie die Rolle der Telemedizin langfristig – eher als Ergänzung oder Alternative zur klassischen Praxis?
Derzeit ist sie eine Ergänzung und ich denke, genau so eignet sie sich gut für Patient:innen. Ein Modell, in dem Telemedizin und Präsenzversorgung rund um die Patient:innen koordiniert werden, anstatt dass verschiedene Versorgungsansätze miteinander konkurrieren, hat viele Stärken. Wir sind nicht hier, um das traditionelle Gesundheitssystem zu ersetzen. Wir sind hier, um Seite an Seite damit zu arbeiten, Lücken zu schließen und den Zugang auf eine Weise zu erweitern, der den Patient:innen zugutekommt. Ein patient:innenzentrierter Ansatz bedeutet, dass die richtige Versorgung zur richtigen Zeit und im richtigen Setting erbracht wird. Manchmal ist das eine telemedizinische Konsultation, manchmal eine Überweisung an Spezialist:innen, und oft sind es beide in Kombination. Die langfristige Vision sollte ein integriertes System sein, in dem Patient:innen sich je nach klinischem Bedarf fließend zwischen digitaler und Präsenzversorgung bewegen. Telemedizin und traditionelle Medizin sind keine Gegner – sondern Partner mit ein und demselben Ziel.
8. Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Telemedizin im Sinne der Patient:innen?
Was ich mir wünsche, ist eine Zukunft, in der Telemedizin nicht mehr als Alternative, sondern einfach als selbstverständlicher Teil der medizinischen Versorgung angesehen wird. Das bedeutet eine bessere Integration zwischen digitaler und Präsenzversorgung, gemeinsame Patient:innenakten, koordinierte Nachsorge und ein System, in dem die Patient:innenreise nahtlos verläuft, unabhängig davon, in welchem Umfeld sie sich befinden. Ich hoffe auch, dass wir weiterhin die Versorgungslücke schließen. Es gibt nach wie vor zu viele Menschen, die beim Zugang zu qualitativ hochwertiger Gesundheitsversorgung echten Hürden ausgesetzt sind, sei es durch geografische Lage, Zeitmangel, eingeschränkte Mobilität, Stigma oder einfach weil sie nicht wissen, an wen sie sich wenden sollen. Telemedizin hat echtes Potenzial, diese Menschen zu erreichen, aber nur, wenn sie denselben klinischen Standards entspricht, die wir auch bei jeder anderen Form der medizinischen Versorgung anwenden. Das ist mir ein echtes Anliegen. Die Erweiterung des Zugangs darf niemals auf Kosten der Qualität gehen. Beides muss Hand in Hand gehen, und ich glaube, wenn das gelingt, hat Telemedizin das Potenzial, die Ergebnisse für Patient:innen, die vom System bisher unterversorgt waren, bedeutend zu verbessern.
9. Was hat Sie als Arzt dazu bewogen, Telemedizin in der Adipositastherapie anzubieten?
Ich bin davon überzeugt, dass Telemedizin und digitale Gesundheit zu den wirkungsvollsten Instrumenten gehören, die wir haben, um die Gesundheitsversorgung von Grund auf zu ändern. Nicht als Notlösung, nicht als Kompromiss, sondern als legitime, qualitativ hochwertige Form der medizinischen Versorgung, die Menschen erreichen kann, denen der Zugang zur notwendigen Versorgung bisher schwergefallen ist. Speziell in der Adipositasmedizin ist diese Lücke sehr real. Zu viele Menschen mit Adipositas hatten zu lange keine angemessene Unterstützung – nicht weil es keine wirksamen Behandlungen gibt, sondern weil das System zu große Hürden dafür auferlegt hat. Was ich mir wünsche, ist eine Zukunft, in der dieses Potenzial vollständig ausgeschöpft wird: in der eine digitale Gesundheitsinfrastruktur mit den Patient:innen im Mittelpunkt aufgebaut wird, in der klinische Standards ohne Abstriche eingehalten werden und in der sich der Diskurs verschiebt – weg von der Frage, ob Telemedizin gut genug ist, und hin zu der Frage, wie wir sie so gut wie möglich machen können. Besserer Zugang und hohe Qualität stehen nicht im Widerspruch zueinander. Ich habe häufig genug gesehen, dass das funktionieren kann, sowohl in der Forschung als auch in der Praxis, und bin davon überzeugt, dass digitale Gesundheitsversorgung, wenn sie richtig umgesetzt wird, die Versorgung nicht beeinträchtigt, sondern vielmehr erweitert. Genau das treibt meine Arbeit an, und genau das wünsche ich mir für die Zukunft der Telemedizin und für Patient:innen auf der ganzen Welt.
Eine Version dieses Interview erschien zuerst auf über-gewicht.de.
Nächste geplante Überprüfung: 8 Mai 2029




Dr. Kareem Mahmoud
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