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Abnehmpillen: Eine Alternative zu Abnehmspritzen? | MedExpress
Katharina Weis
Dr. Kareem Mahmoud
20 Februar 2026 | Letzte Aktualisierung: 1 Juni 2026
1 Juni 2026


Große Neuigkeiten für den europäischen Markt: Am 22. Mai 2026 hat die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) offiziell die Zulassungserweiterung für Wegovy Tabletten empfohlen.[1] Damit steht die erste orale GLP-1-Abnehmtherapie kurz vor dem Marktstart in Europa. In den USA ist die Wegovy Abnehmpille bereits seit Januar 2026 erhältlich. Auch das Gegenstück von Konkurrent Eli Lilly, Foundayo (Wirkstoff Orforglipron), ist dort bereits zugelassen.[2] Für viele klingt die tägliche Tablette sehr verlockend – aber wie schneiden die neuen Abnehmpillen im Vergleich zu den etablierten „Abnehmspritzen“ ab? Das erfahren Sie in diesem Artikel.
Bisher waren Medikamente, die in den Medien oft als „Abnehmspritzen“ bezeichnet werden, der Standard im Bereich der GLP-1-Behandlungen – während die Zulassungen für die Tablettenform zur Gewichtsreduktion in Europa derzeit auf Hochtouren laufen. Zwei etablierte Beispiele für die Injektionstherapie sind Mounjaro und Wegovy. Dabei handelt es sich um rezeptpflichtige Medikamente, die zur Unterstützung bei der Gewichtsabnahme zugelassen sind. Sie werden stets ergänzend zu einer kalorienreduzierten Ernährung und erhöhter körperlicher Aktivität angewendet, um ein gesundes Gewicht zu erreichen und zu halten. Mounjaro wird vom US-Unternehmen Eli Lilly hergestellt, Wegovy vom dänischen Pharmakonzern Novo Nordisk. Eine Verschreibung dieser Medikamente basiert immer auf einer individuellen medizinischen Beurteilung durch medizinisches Fachpersonal, etwa beim Vorliegen von Adipositas (starkem Übergewicht) oder bei einem erhöhten Körpergewicht, das bereits mit gewichtsbedingten Begleiterkrankungen einhergeht.[3][4]
Der Unterschied zwischen Mounjaro und Wegovy liegt in ihrem Wirkstoff. Mounjaro enthält den Wirkstoff Tirzepatid, während Wegovy den Wirkstoff Semaglutid enthält. Semaglutid ist ein GLP-1-Rezeptor-Agonist, während Tirzepatid ein dualer GLP-1- und GIP-Rezeptor-Agonist ist. Um genau zu verstehen, was das bedeutet, wollen wir diese Begriffe einmal aufdröseln:
Zusammengefasst helfen beide Medikamente also beim Abnehmen, indem sie für ein reduziertes Hunger- und verlängertes Sättigungsgefühl sorgen und die Nahrungsaufnahme verringern. Beide Medikamente werden einmal wöchentlich im Bauch, im Oberschenkel oder im Oberarm unter die Haut gespritzt.[3][5]
Mounjaro ist zusätzlich zur Behandlung von Diabetes Typ 2 zugelassen.
Mit dem positiven Gutachten der EMA vom Mai 2026 ist der wichtigste Meilenstein für Europa erreicht. Der Antrag wurde von Novo Nordisk bereits in der zweiten Jahreshälfte 2025 eingereicht.[6] Da die EMA nun grünes Licht gegeben hat, liegt der Ball bei der Europäischen Kommission, welche die offizielle EU-Zulassung in Kürze final erteilen dürfte.
Sobald diese vorliegt, entscheiden die einzelnen Mitgliedstaaten über die nationalen Details wie Preisgestaltung und Markteinführung. Mit einem Verkaufsstart in deutschen Apotheken wird daher im Laufe des Jahres 2026 gerechnet. Auch für das US-Gegenstück Foundayo (Orforglipron) von Eli Lilly läuft derzeit das europäische Prüfverfahren – die Zulassung für den europäischen Markt steht hier jedoch noch aus.[2]
Die rezeptpflichtige Wegovy-Pille ist ausschließlich für Erwachsene gedacht und muss einmal täglich morgens auf nüchternen Magen mit etwas Wasser eingenommen werden. In den USA wird mit einer geringen Einstiegsdosis gestartet, die schrittweise erhöht werden kann. Nach der Einnahme müssen Patienten mindestens 30 Minuten warten, bevor sie essen, trinken oder andere Medikamente einnehmen.[7]
Laut Hersteller soll es mit ihr möglich sein, einen ähnlichen Gewichtsverlust zu erzielen wie mit der Wegovy-Spritze. Gleichzeitig soll sie das Risiko schwerwiegender kardialer Ereignisse wie Herzinfarkte oder Schlaganfälle verringern – wobei diese Ergebnisse aus spezifischen Studienpopulationen stammen und nicht für alle Anwender gelten.[6]
Die Kosten für Abnehmspritzen werden in der Regel nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen, da sie rechtlich in den Bereich der Eigenleistung fallen.[8] Auch die neuen Abnehmpillen dürften unter diese Regelung fallen. Da Tabletten in der Masse jedoch günstiger in der Herstellung sind als hochentwickelte Injektions-Pens, besteht die Hoffnung, dass die oralen Therapien langfristig etwas erschwinglicher für Selbstzahler werden.
Es gibt jedoch auch deutliche Nachteile, die man abwägen muss:
Nebenwirkungen:
Das Sicherheitsprofil der Wegovy Tabletten ähnelt dem der wöchentlichen Injektion (2,4 mg Semaglutid) stark. Ein Blick auf die Gesamtrate aller Magen-Darm-Beschwerden (wie Übelkeit, Durchfall oder Bauchschmerzen) zeigt in den Zulassungsstudien ein sehr ähnliches Bild: Während bei der wöchentlichen Spritze 74,2% der Teilnehmenden von mindestens einer Begleiterscheinung berichteten,[10] waren es bei der täglichen Abnehmpille 80%.[11] Beim Leitsymptom Übelkeit war die Rate mit 44% (Spritze) zu 47% (Tablette) ebenfalls ähnlich.[10][11] Bei beiden Varianten sind diese Beschwerden meist mild bis moderat und treten vor allem zu Anfang oder bei einer Dosissteigerung auf.
Der Grund für potenzielle Nebenwirkungen ist biologischer Natur: Der Wirkstoff Semaglutid greift direkt in die Verdauung ein und verlangsamt die Magenentleerung. Da die Tablette jedoch den Magen passiert und, um die Magensäure zu überwinden, deutlich höher dosiert werden muss, kann sie die Verdauungsorgane insbesondere zu Beginn oder bei Dosissteigerung intensiver beanspruchen als die Injektion.[5]
Einnahmeregeln
Die Pille wird jeden Morgen direkt nach dem Aufwachen auf nüchternen Magen eingenommen. Danach muss man 30 Minuten warten, bevor man etwas essen oder trinken darf. Die wöchentliche Spritze kann flexibler verabreicht werden.
Häufigkeit der Einnahme
Die Tablette wird einmal täglich eingenommen – im Gegensatz zu einmal wöchentlich bei der Abnehmspritze. Dadurch steigt statistisch betrachtet das Risiko, eine Dosis im stressigen Alltag schlichtweg zu vergessen.
Die jüngste positive Empfehlung der EMA zeigt, dass Abnehmpillen in absehbarer Zeit eine zusätzliche Option auf dem europäischen Markt darstellen werden. Bis zur Verfügbarkeit in Deutschland bleiben die Injektionen jedoch der Standard. Auch nach einer künftigen Markteinführung der Tabletten bleiben die potenziell intensiveren Magen-Darm-Beschwerden beim Behandlungsstart sowie die strikte tägliche Einnahmeroutine entscheidende Faktoren, die es bei der ärztlichen Beratung individuell abzuwägen gilt.
Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder in Ihrer Apotheke. Diese Informationen ersetzen nicht die professionelle Beratung durch einen Arzt oder eine Ärztin. Individuelle Ergebnisse können variieren. Über die Verschreibung einer Behandlung entscheiden qualifizierte Ärztinnen und Ärzte nach einer individuellen medizinischen Beurteilung.
Nächste geplante Überprüfung: 1 Juni 2029





Katharina Weis
Dr. Kareem Mahmoud
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