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Abnehmpillen – sind sie wirklich besser?

Abnehmpillen – sind sie wirklich besser?


Verfasst von:

Katharina Weis

Fachlich geprüft von:

Dr. Kareem Mahmoud

Erstveröffentlichung:

20 Februar 2026

Letzte Aktualisierung:

23 Februar 2026

Lesezeit: 5 Minuten
Frau die eine Tablette einnimmt

Abnehmpillen – sind sie wirklich besser?

Seit Januar 2026 ist Wegovy in den USA auch als Abnehmpille erhältlich. Das Gegenstück von Eli Lilly, ein bisher nicht zugelassenes Medizinprodukt mit dem Wirkstoff Orforglipron, soll demnächst folgen.[1] Auf dem europäischen Markt gibt es aktuell zwar keine orale Darreichungsform des Wirkstoffs Semaglutid, eine Zulassung auf dem europäischen Markt ist jedoch geplant. Für viele klingt das sehr verlockend – aber wie schneiden die Abnehmpillen im Vergleich zu Abnehmspritzen ab? Das erfahren Sie in diesem Artikel.

Was sind aktuelle Abnehmbehandlungen?

Bisher waren Abnehmspritzen der Standard im Bereich der GLP-1-Abnehmbehandlungen. Zwei Beispiele dafür sind Mounjaro und Wegovy. Dabei handelt es sich um rezeptpflichtige Medikamente, die zur Unterstützung bei der Gewichtsabnahme zugelassen sind und in Kombination mit einer gesunden Ernährung und Sport dabei helfen können, ein gesundes Gewicht zu erreichen und zu halten. Mounjaro wird von Eli Lilly hergestellt, Wegovy von Novo Nordisk. Beide Medikamente sind für Menschen mit einem Body Mass Index (BMI) ab 30 geeignet. Personen mit gewichtsbedingten Begleiterkrankungen können auch behandelt werden, wenn ihr BMI über 27 liegt.[2][3]

Wie wirken Abnehmspritzen?

Der Unterschied zwischen Mounjaro und Wegovy liegt in ihrem Wirkstoff. Mounjaro enthält den Wirkstoff Tirzepatid, während Wegovy den Wirkstoff Semaglutid enthält. Semaglutid ist ein GLP-1-Rezeptor-Agonist, während Tirzepatid ein dualer GLP-1- und GIP-Rezeptor-Agonist ist. Um genau zu verstehen, was das bedeutet, wollen wir diese Begriffe einmal aufdröseln:

GLP-1 ist ein Hormon, das eine wichtige Rolle bei der Regulierung des Blutzuckers spielt. Es steht für Glucagon-Like Peptide 1 (Glucagonähnliches Peptid 1) und sorgt dafür, dass nach dem Essen sowohl die Insulinproduktion angeregt als auch die Magenentleerung verlangsamt wird. Dadurch fühlt man sich länger satt und hat insgesamt weniger Appetit.

Bei Tirzepatid kommt zusätzlich die Wirkung als GIP-Rezeptor-Agonist hinzu. GIP steht für Glucose-dependent Insulinotropic Polypeptide (glukoseabhängiges insulinotropes Polypeptid) und ist ein Darmhormon, das ebenfalls nach dem Essen die Insulinausschüttung anregt.

Zusammengefasst helfen beide Medikamente also beim Abnehmen, indem sie für ein reduziertes Hunger- und verlängertes Sättigungsgefühl sorgen und die Nahrungsaufnahme verringern. Beide Medikamente werden einmal wöchentlich im Bauch, im Oberschenkel oder im Oberarm unter die Haut gespritzt.[4][3]

Mounjaro ist zusätzlich zur Behandlung von Diabetes Typ 2 zugelassen.

Wann kommt die Abnehmpille nach Deutschland?

Wann Abnehmpillen auch auf dem deutschem Markt zugelassen werden, ist aktuell noch nicht absehbar.

In Deutschland sind bisher keine GLP-1-Abnehmpillen zugelassen. In der zweiten Jahreshälfte 2025 hat jedoch Novo Nordisk einen Zulassungsantrag bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur eingereicht.[5] In der Regel dauert die Beurteilung eines Antrags 210 aktive Tage.[6] Daher wird mit einer Zulassung im Laufe des Jahres 2026 gerechnet – eine offizielle Bestätigung gibt es allerdings noch nicht. Auch Eli Lilly arbeitet aktuell an einer Abnehmpille namens Orforglipron, die voraussichtlich noch später als die Wegovy-Pille zugelassen wird.[1]

Wie ist die Abnehmpille einzunehmen?

Die Wegovy-Pille soll morgens mit etwa 120 ml Wasser auf nüchternen Magen eingenommen werden. Gestartet wird mit einer Dosis von 1,5mg, welche dann Schritt für Schritt auf 25mg erhöht wird. Danach sollte man 30 Minuten warten, bis man etwas isst oder trinkt.[7] Laut Hersteller soll es mit ihr möglich sein, einen ähnlichen Gewichtsverlust zu erzielen wie mit der Wegovy-Spritze. Gleichzeitig soll sie das Risiko schwerwiegender kardialer Ereignisse wie Herzinfarkte oder Schlaganfälle verringern – wobei diese Ergebnisse aus spezifischen Studienpopulationen stammen und nicht für alle Anwender gelten.

Warum Abnehmpillen? Vor- und Nachteile der neuen Abnehmbehandlung

Die Kosten für Abnehmspritzen werden in der Regel nicht von den Krankenkassen übernommen, da sie in den Bereich der Eigenverantwortung fallen.[8] Auch Abnehmpillen dürften unter diese Argumentation fallen, sobald sie auf dem europäischen Markt zugelassen sind. Da die Pillen günstiger zu produzieren sind, ist jedoch damit zu rechnen, dass sie etwas erschwinglicher sind als Abnehmspritzen.[9] Somit besteht die Möglichkeit, dass Selbstzahler, die für eine GLP-1-Therapie geeignet wären und sich zuvor keine Abnehmbehandlung leisten konnten, nach der Zulassung mit der Unterstützung von Abnehmpillen Gewicht verlieren können.

Es gibt jedoch auch einige Nachteile:

Nebenwirkungen

Während bei der Wegovy-Pille zwar vergleichbare Nebenwirkungen wie bei der Wegovy-Abnehmspritze auftreten, sind sie bei der Abnehmpille deutlich häufiger: So meldeten 44% der Patienten Magen-Darm-Probleme bei der Anwendung der Wegovy-Abnehmspritze, wohingegen 74% der Patienten, die die Pille einnahmen, von derartigen Problemen berichteten.[10] Wie kommt das? Bei der Spritze geht der Wirkstoff direkt in das Gewebe unter der Haut und umgeht den Magen-Darm-Trakt vollständig. Wenn Semaglutid oral eingenommen wird, kommt nur ein kleiner Teil des Wirkstoffs tatsächlich im Blut an. Der Rest wird im Magen und Darm abgebaut. Um trotzdem genug Wirkstoff im Körper zu haben, muss die Abnehmtablette deutlich höher dosiert werden als die Spritze. Diese hohe Dosis belastet den Magen-Darm-Trakt stärker, weshalb Übelkeit und Durchfall häufiger auftreten.[11]

Einnahmeregeln

Die Pille wird morgens direkt nach dem Aufwachen auf nüchternen Magen eingenommen, danach muss man 30 Minuten warten, bevor man etwas essen oder trinken darf. Die Spritze kann flexibler verabreicht werden.

Häufigkeit der Einnahme

Die Tablette wird einmal täglich eingenommen – im Gegensatz zu einmal wöchentlich bei der Abnehmspritze. Das bedeutet, das Risiko, eine Einnahme zu vergessen, ist deutlich höher.

Fazit

Abnehmpillen klingen verlockend, sind aber aktuell in Deutschland nicht verfügbar. Abnehmspritzen bleiben erst einmal die bewährte Option, denn weder die Wegovy-Pille noch Orforglipron sind aktuell auf dem deutschen Markt erhältlich. Während nach der Zulassung der Tabletten die Kosten für Selbstzahler etwas sinken könnten, bleibt die deutlich höhere Nebenwirkungsrate bei oraler Einnahme ein wichtiger Aspekt, den es zukünftig bei der Verschreibung zu berücksichtigen gilt.

Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder in Ihrer Apotheke. Diese Informationen ersetzen nicht die professionelle Beratung durch einen Arzt oder eine Ärztin. Individuelle Ergebnisse können variieren. Die Behandlungen unterliegen der Genehmigung durch eine zertifizierte Ärztin oder einen zertifizierten Arzt, der/die die individuelle Eignung beurteilt.


Nächste geplante Überprüfung: 23 Februar 2029

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