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Orforglipron: Warum diese Abnehmbehandlung anders ist

Orforglipron: Warum diese Abnehmbehandlung anders ist


Verfasst von:

MedExpress Redaktion

Fachlich geprüft von:

Dr. Kareem Mahmoud

Erstveröffentlichung:

17 Juli 2026

Lesezeit: 5 Minuten
Frauen, die Orforglipron halten

Es tut sich etwas in der Welt der Abnehmbehandlungen in Tablettenform: Am 15. Juli 2026 hat der dänische Hersteller Novo Nordisk die erteilte EU-Zulassung der rezeptpflichtigen Wegovy Tabletten (Wirkstoff Semaglutid) bekannt gegeben.[1] US-Hersteller Eli Lilly will nachziehen – mit dem neuen Wirkstoff Orforglipron.

Was ist Orforglipron?

Orforglipron ist der Wirkstoff in Foundayo, der in den USA vertriebenen so genannten „Abnehmpille“ von Eli Lilly. In Europa ist der Wirkstoff derzeit noch nicht zugelassen, befindet sich aber in der Prüfung. Die Tablette kann in Kombination mit einer ausgewogenen Ernährung und ausreichend Bewegung den Gewichtsverlust unterstützen. In den USA ist sie bereits für Erwachsene mit einem BMI ab 30 zugelassen. Auch Personen mit einem BMI ab 27 und gewichtsbedingten Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes kommen für die Behandlung infrage. Die Tablette wird einmal täglich unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen.[2]

Der Wirkstoff Orforglipron ist ein sogenannter kleinmolekularer GLP-1-Rezeptor-Agonist. Dieser aktiviert genau die Andockstelle im Körper, an die das Darmhormon GLP-1 bindet, und hilft so dabei, den Appetit, das Sättigungsgefühl und den Blutzuckerspiegel zu regulieren.[2]

Anders als die Wirkstoffe in Abnehmspritzen und der von Novo Nordisk hergestellten Wegovy Tablette, besteht Oforglipron nicht aus Aminosäuren (Peptid). Es ist ein synthetisch hergestelltes Molekül mit besonders geringem Gewicht. Und genau das bringt einen Vorteil mit sich.[2]

Während Peptide wie Semaglutid (dem Wirkstoff in Wegovy) oder Tirzepatid (dem Wirkstoff in Mounjaro) bei oraler Einnahme zu schnell von den Verdauungsenzymen im Körper abgebaut werden, ist es bei Orforglipron aufgrund der nicht-peptiden Struktur sehr viel unwahrscheinlicher, dass der Wirkstoff während der Verdauung vorschnell verstoffwechselt wird. Anders als bei peptiden Wirkstoffen kann Orforglipron außerdem zu einer beliebigen Tageszeit eingenommen werden – eine Einnahme auf nüchternen Magen ist nicht nötig.[2]

Wie unterscheidet sich Orforglipron von anderen Abnehmbehandlungen?

Orforglipron ist in vielerlei Hinsicht anders als andere GLP-1-Medikamente. Seine nicht-peptide Struktur bringt Vor- und Nachteile mit sich:

Möglicher Gewichtsverlust

Je nach Abnehmbehandlung kann der mögliche Gewichtsverlust unterschiedlich sein. In einer 72-wöchigen klinischen Studie mit 3.127 Teilnehmenden konnte mit Orforglipron im Vergleich zum Ausgangsgewicht ein Verlust von bis zu 11,2% beobachtet werden (bei einer Höchstdosis von 36 mg).[5]

Denken Sie jedoch daran, dass nicht allein der Gewichtsverlust entscheidend für Ihre Abnehmreise ist. Auch Erfolge jenseits der Waage sind wichtig und dürfen gefeiert werden, zum Beispiel wenn die Lieblingshose wieder passt oder Sie sich energiegeladener fühlen.

Bioverfügbarkeit

Medikamente, die oral eingenommen werden, müssen zunächst den Darm passieren. Auf diesem Weg kann bereits ein erheblicher Teil des Wirkstoffs vom Körper aufgespalten werden, bevor er überhaupt dort ankommt, wo er wirken soll.

Orforglipron kommt ohne Peptidstruktur aus. Das hat den Vorteil, dass weniger Wirkstoff verlorengeht, während das Medikament über den Verdauungstrakt durch den Körper wandert. Bei Orforglipron gelangen deshalb zwischen 20–40% des Wirkstoffs unverändert in den Blutkreislauf – während es bei oralem Semaglutid (dem Wirkstoff in den Wegovy® Tabletten mit Peptidstruktur) gerade einmal 0,4–1% sind.[6]

Nebenwirkungen

Egal ob Abnehmspritze oder Abnehmpille: GLP-1-Medikamente verlangsamen die Magenentleerung und Nebenwirkungen im Magen-Darm-Bereich wie Durchfall oder Übelkeit können deshalb häufig vorkommen. Durch die schnelle Absorption von Orforglipron besteht ein hohes Risiko für Übelkeit. Je nach Dosis berichteten in Studien bis zu 36% der Teilnehmenden von Übelkeit, bis zu 30% von Verstopfung und bis zu 23% von Durchfall.[7]

Die meisten Beschwerden treten jedoch zu Beginn der Behandlung oder nach einer Dosiserhöhung auf und lassen mit der Zeit häufig von selbst nach.

Auch Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sind möglich.[3] Nach einer Zulassung auf dem deutschen Markt sollten Sie dies unbedingt mit Ihrer ärztlichen Fachkraft abklären.

Herstellung und Kosten

Da Abnehmbehandlungen in den Bereich der Eigenverantwortung fallen, werden die Kosten für die Behandlung von den Krankenkassen in der Regel nicht übernommen – egal, ob Sie mit einer Abnehmspritze oder einer Abnehmpille behandelt werden.[8]

Lagerung

Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA hat bei der Zulassung von Foundayo in den USA bestimmte Lagerungsbedingungen für das Medikament festgelegt.

So kommt Orforglipron sowohl während des Versands als auch zu Hause ohne Kühlung aus. Vor allem bei Anwenderinnen und Anwendern, die viel unterwegs sind, kann sich dadurch die Lagerung des Medikaments einfacher gestalten. Was laut FDA-Zulassung weiterhin beachtet werden muss: Das Medikament muss vor Licht geschützt in der Originalpackung aufbewahrt werden.[3]

Ob diese Lagerungsbedingungen nach der Zulassung von Orforglipron auch für den deutschen Markt gelten, ist noch nicht absehbar.

Einnahme

Während Abnehmspritzen meist einmal wöchentlich angewendet werden, wird Orforglipron täglich eingenommen. Das Besondere daran: Die Einnahme muss nicht auf nüchternen Magen erfolgen. Sie können also selbst entscheiden, zu welcher Tageszeit Sie das Medikament einnehmen. Nach 30 Tagen kann die Anfangsdosis in Absprache mit einer ärztlichen Fachkraft gesteigert werden.[9]

Hinweis: Diese Angaben beziehen sich auf die von der FDA für den US-amerikanischen Markt festgelegten Dosier- und Einnahmebestimmungen. Aktuell gibt es keine offiziellen Bestimmungen für den deutschen Markt.

Wie sicher ist Orforglipron?

Das Sicherheitsprofil für Orforglipron entspricht weitgehend dem anderer GLP-1-Medikamente. Die häufigsten Nebenwirkungen sind Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Verstopfung, Durchfall und Erbrechen, die vor allem zu Beginn der Behandlung oder bei einer Dosiserhöhung auftreten.[9]

Daneben weist die US-Zulassungsbehörde FDA auf ernstere, aber seltene Risiken hin[3,[9]:

  • Pankreatitis (Entzündung der Bauchspeicheldrüse)
  • Gallenblasenerkrankungen
  • Nierenbelastung durch Flüssigkeitsverlust bei Magen-Darm-Beschwerden
  • Schilddrüsentumore

Bei Personen, die selbst an medullärem Schilddrüsenkarzinom waren oder durch eine familiäre Vorgeschichte ein erhöhtes Risiko dafür haben, ist die Abnehmpille deshalb kontraindiziert.[3] [9]

Wann kommt die neue Abnehmpille?

In den USA wurde Foundayo mit dem Wirkstoff Orforglipron bereits am 01. April 2026 zugelassen.[9] Für Europa steht die Entscheidung der europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) aktuell noch aus. Zwar läuft aktuell ein Zulassungsverfahren, der Zulassungsprozess für ein Arzneimittel kann jedoch sehr langwierig sein. Ein genauer Zeitraum lässt sich dadurch aktuell nicht bestimmen.

Fazit: Orforglipron: Eine echte Neuerung auf dem Markt

Foundayo (Wirkstoff Orforglipron) ist durch seine nicht-peptide Struktur ein echtes Novum unter den GLP-1-Medikamenten. Gerade für Menschen, die Abnehmspritzen unangenehm finden oder sich eine einfachere Handhabung im Alltag wünschen, wird die Behandlung dadurch leichter gemacht.

Wie bei jedem Medikament gilt aber auch hier: Nebenwirkungen und individuelle Risiken sollten immer in einem ärztlichen Gespräch abgewogen werden. Sobald Orforglipron auf dem deutschen Markt verfügbar ist, wird Ihre ärztliche Fachkraft Sie bei der Entscheidung unterstützen können, ob die Behandlung für Sie geeignet ist.

Nächste geplante Überprüfung: 17 Juli 2029

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